Auch 2017 möchte ich in die Homepage meine Gedanken in normaler oder polemischer Art niederschreiben. ===============================
 Auch 2017 möchte ich in die Homepage meine Gedanken in normaler oder polemischer Art niederschreiben. ===============================  

        Die Gedanken im Alter

Es ist schön alt zu werden. Die 6 hat mir nicht so gefallen, die 7 ist viel schöner. Die 6 hat mich immer daran erinnert, dass die Wölbung unter meiner Brust der Zahl ziemlich nahe kommt. Die 7 zeigt mir dass das Leben endlich ist und es bergab geht. Dieser Knick in der Zahl und der Strich nach unten zeigt mir, du hast die Gipfel im Leben erreicht und darfst beschwingt ins Tal gehen. Es ist ein schönes, ein gutes Gefühl, wenn der Weg nach unten noch keine großen Schmerzen erzeugt. Du kannst die Gipfel die du erklommen hast leichter sehen, weil der Gang nach unten dir nicht so den Atem nimmt und deine Blicke in die Ferne gerichtet sind.

Du geniest es nun über kleine vor dir liegenden Hügeln zu spazieren, die Natur in der Nähe in dich aufzunehmen und zu spüren. Versuchst die Ruhelosigkeit abzuwerfen und begreifst oft nicht, dass deine Mitmenschen im Alter denken, sie können sich noch "Urlaubs" Erinnerungen schaffen um sie in einer Demenzzeit wieder los zu bekommen.

*

Ich blättere in der Zeitung von hinten um zu lesen, wer in meinem Alter darf den Weg nicht mehr mit mir nach unten gehen.

Ich gehe nicht mehr am Friedhof vorbei, ich gehe durch den Friedhof durch. Ich geniese die Ruhe die dort herrscht. Meine Gedanken schweifen über mein vergangenes Leben und ich freue mich, dass ich bis zum 70. Lebensjahr ein gutes, schönes Leben innerhalb und außerhalb meiner Familie hatte.

*

Gestern gingen meine Frau und ich spazieren. Unser Weg ging wieder einmal in den Friedhof um die letzte Ruhestätte eines vor kurzem verstorbenen sehr guten Bekannten zu besuchen.

 

Die Abendglocken der Kirche rissen mich aus meinen Gedanken und mir kam das Gedicht von Schiller "Das Lied von der Glocke" in den Sinn.

Warum stand mir gerade dieser Textteil vor Augen:

 

"Der Gute räumt den Platz dem Bösen,
Und alle Laster walten frei.
Gefährlich ist's, den Leu zu wecken,
Verderblich ist des Tigers Zahn,
Jedoch der schrecklichste der Schrecken,
Das ist der Mensch in seinem Wahn.
Weh denen, die dem Ewigblinden
Des Lichtes Himmelsfackel leihn!
Sie strahlt ihm nicht, sie kann nur zünden
Und äschert Städt und Länder ein".

 

Wahrscheinlich wurde mir wieder bewußt, in welcher Welt ich lebe. Eine Welt voller Macht, Gier, Habsucht, Geiz, Egoismus.

Eine Welt wo die Zeitungen und Medien voll von Artikeln über Nachbarschaftsstreite, Totschlag, Morde, Kriege sind. Eine Welt wo Luxus und Wahnsinn auf der einen Seite im Überfluss

vorhanden ist, wo die Menschen nicht mehr wissen, was sie alles noch in ihrer rastlosen Gier erleben wollen.

Auf der anderen Seite, wo Menschen nicht wissen wie sie den nächsten Tage überleben können. Wo Kriege, Armut und Verzeiflung sie in die Flucht treiben.

*

Auf dem Heimweg kamen wir an unserer ersten Wohnung vorbei, (damals natürlich erst nach der Hochzeit).

Die Küche war 2qm, Flur 1qm, Schlafzimmer 7qm, Wohnzimmer 12qm. Die Toilette war außerhalb mit 2qm, davon war 1qm für die Feuerwehrschläuche die daneben vom Dachgeschoss bis zum Erdgeschoss hingen. Keine Dusche,

kein Geschirrspüler. Gebrauchte Möbel von Bekannten und Verwandten.

WIR WAREN GLÜCKLICH!

Ich besonders, weil ich in meinem Autowahn gedacht habe, vor dem Haus müsste ein 250 Mercedes stehen.

*

Eine alte Frau fragte uns, ob wir auch in diesem Haus gewohnt hätten. Nach der Bejahung folgte ein Dialog, es war eigentlich ein Monolog. Diese "83jährige" Frau kam aus Bosnien und erzählte uns über ihr Leben und was sie alles durchgemacht hatte. Trotz den schlechten Erlebnisse strömte ein Glück aus ihr heraus und sie freute sich, dass sie eine Wohnung gefunden hat und dort nun leben darf. Eine 3/4 Stunde hörten wir ihr stumm zu. Ich merkte, wie gut es ihr tat, einmal ausführlich über ihr Leben sprechen zu können.

Frage: Haben wir noch Zeit für einander??

*

Trotz all meinen "Splin`s, Idiotien" hat es meine Frau nun 46 Jahre mit mir ausgehalten. Ich glaube, wenn sie so gewesen wäre wie ich, ich wäre schon längst geschieden.

 

Warum schreibe ich eigentlich dies alles?

Ganz einfach, mir war es danach!

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